Hilfestellungsguide bei Depressionen

geschrieben von Jabez Baana für den Eigengebrauch - dankenswerterweise veröffentlicht durch Joram Ulmke

Hilfe bekommen

Selbsthilfegruppe

Nakos

Online-Unterstützung

von der Krankenkasse übernommene Apps
moodgym
jede Krankenkasse hat zum Teil ihr eigenes (weiteres) Tool, frag dort mal nach

Psychotherapie

116117

Psychiater

TK Arztsuche

Krisenplan

bei lebensmüden Gedanken

Schlafen gehen, morgen wird es besser.

lokale Freunde / Bekannte

Freunde per Telefon oder Ärzte

Telefonseelsorge

0800 1110111

Notruf oder lokales Krankenhaus

112

Persönlicher Krisenplan

Tägliche Hilfestellungen

Typische Denkfehler

  1. Verallgemeinerungen
  2. nie, immer, alle, keine

  3. Positives ausschließen oder abwerten
  4. Das hätte ja jeder gekonnt. Das sagt sie nur aus Mitleid.

  5. Alles-oder-Nichts-Denken/Schwarz-Weiß-Denken
  6. Wenn ich etwas nicht perfekt mache, sollte ich es bleiben lassen. Wenn ich nicht total erfolgreich bin, bin ich ein Versager.

  7. Selbstbeschuldigung
  8. Es ist nur meine Schuld, dass es in unserer Ehe nicht mehr stimmt.

  9. Gedankenlesen
  10. Sie redet nichts, sie hat etwas gegen mich. Sicher dachte sie, ich sei uninteressant.

  11. Prophezeiungen
  12. Das wird sowieso schief gehen.

  13. Falsche Kausalität
  14. Das letzte Mal konnte ich es auch schon nicht, warum sollte es diesmal anders sein.

  15. Unrealistische Selbstverpflichtungen
  16. Ich sollte fröhlicher sein. Ich hätte die Arbeit besser schaffen können.

  17. Tunnelblick
  18. (Nur die negativen Aspekte werden wahrgenommen.)

  19. Unterschiedliche Maßstäbe
  20. Bei anderen ist es egal, aber ich sollte es können.

  21. Etikettierungen
  22. Ich bin ein Versager.

  23. Katastrophierungen auch Wahrsagen genannt
  24. Er ruft nicht an, jetzt ist alles vorbei.

  25. Aussagen mit "sollte" oder "müsste"

Gefühle

  • gelassen
  • freuen
  • gerührt
  • dankbar
  • freundlich
  • glücklich
  • liebevoll
  • fröhlich
  • stolz
  • sich sicher fühlen
  • hoffnungsvoll
  • sich geliebt fühlen
  • mutig
  • begeistert
  • erleichtert

  • überrascht
  • verdutzt
  • beunruhigt
  • erschrocken
  • erschüttert
  • bestürzt
  • verblüfft
  • neugierig
  • entsetzt
  • aufmerksam
  • verwundert
  • geschockt
  • fassungslos
  • erstaunt

  • wütend
  • frustriert
  • zornig
  • sauer
  • feindselig
  • genervt
  • verbittert
  • empört
  • ärgerlich
  • beleidigt
  • aufgebracht
  • abwehrend
  • trotzig
  • Hass
  • neidisch

  • traurig
  • entmutigt
  • enttäuscht
  • einsam
  • unglücklich
  • bedrückt
  • verletzt
  • verzweifelt
  • sich abgelehnt fühlen
  • Mitleid
  • niedergeschlagen
  • hoffnungslos
  • bedauern
  • sich unterlegen fühlen
  • erschöpft

  • ängstlich
  • beunruhigt
  • sich schämen
  • schlechtes Gewissen
  • misstrauisch
  • verlegen
  • Panik
  • unsicher
  • gehemmt
  • schüchtern
  • sich unter Druck fühlen
  • eifersüchtig
  • sich fürchten besorgt
  • überfordert

  • Zum Hals heraushängen
  • sich ekeln
  • sich grausen
  • widerwillig
  • sich langweilen
  • angewidert
  • verachtend
  • verwirrt
  • ablehnend
  • sich unwohl fühlen
  • Abscheu empfinden
  • erschaudern
  • sich abgestoßen fühlen
  • missfallen
  • widerstrebend

Tagesskala

ohne Antidepressiva
  1. denkt ans Arbeiten gehen, macht viel (selbstständig), ist häufig glücklich
  2. soziale Isolierung, versucht Tag rumzubringen, bad mood

Sarahs Skala: 10 - perfekt - bis 1 oder 0 für sehr schlecht

Negative Gedanken stoppen

Intrusion - intrusive thought
  • Sudoku spielen
  • Rummikub spielen
  • malen / skizzieren
  • Musik hören
  • Zopfgummi am Handgelenk zupfen
  • 4,3,2,1 Übung (Sinne oder Farben durchgehen)

Theraphie und Selbsthilfegruppen

Ratschläge

  • Akzeptiere und nimm Deine aktuelle Situation an, hinterfrage es nicht, sondern versuche es Schritt für Schritt zu verändern.
  • Wir müssen nicht alles ertragen. Sei egoistisch. [Grenze: Auf die Kosten von anderen darf es nicht gehen.]
  • Halte die Anforderungen niedrig und denke positiv.
  • Lass Zukunft, Zukunft sein.
  • Gute bzw. goldene Momente der letzten Woche revue passieren lassen, wir errinnern uns zu viel an die paar schlechten Sachen. => kognitive Verzehrung
  • Es hilft genau das zu machen, was unsere Symptome eigentlich nicht wollen. Rausgehen in die Natur und mit Menschen treffen.

Gefühle

  • Lehne Dich in Deine Emotionen, Dein Leid und Deine Trauer rein.
  • Depression ist kein Dauerzustand.
  • Man muss nicht jeden Tag die Welt retten, um eine Berechtigung in der Welt zu haben.
  • Bleibe offen, nehme nach innen und mit allen Sinnen (richen, schmecken, hören, fühlen, sehen) nach außen alles wahr und sei froh über den Wechsel Deiner Emotionen.
  • Die Angst vor der Angst ist viel zu weit gedacht.

Selbsthilfegruppe

  • Gebe keine Tipps, berichte von Deiner Erfahrung.

Tagesplanung positiver Aktivitäten

Suche Dir positive Aktivitäten, die eher wenig Aufwand benötigen, jedoch viel zum Wohlgefühl beitragen:

  • Entspannungsmomente
  • kleine Freuden
  • regelmäßiger Genuss
  • genieße schöne Momente

Was mag ich? Was macht mir Spaß?

Beispiele:

  • Innehalten am Fenster
  • Essen genießen
  • Tee trinken
  • draußen Spazieren gehen
  • "Fuck you, world!" sagen
  • Significant other sehen
  • Webseiten schreiben
  • mit Freunden bzw. Familie treffen oder telefonieren

Was hindert Dich daran, diese umzusetzen?

Für Begleiter eines depressiv erkrankten Menschen

  • Gemeinsam über Depressionen informieren
  • Häufig das positive Selbstbild unterstützen
  • Machen Sie sich bewusst: Depression ist eine Erkrankung.
  • Seien Sie einfach da.
  • Halten Sie das Gleichgewicht zwischen Fürsorge und Selbstfürsorge.
  • Üben Sie sich in Empathie.
  • Hören Sie zu.
  • Setzen Sie gesunde Grenzen.
  • Holen Sie sich Unterstützung.
  • Ermutigen Sie, ohne Druck auszuüben.
  • Angebote machen, ohne Druck auszuüben.
  • Stress vermeiden
  • Lernen Sie, auch die kleinen Schritte wertzuschätzen.
  • Auf Augenhöhe bleiben
  • Erwarten Sie nicht zu viel von sich.
  • Tagesablauf strukturieren.
  • Bewegung (und Sport) fördern
  • Sorgen Sie in guten Zeiten vor.
Quellen: Depression. Das Richtige tun von hutterer und Rummel-Kluge sowie Depression verstehen. Hilfe für Angehörige und Freunde von Selina Vogt

Über Depressionen

„Mich stört nicht mal, das manche Leute Depression mit dem sogenannten Scheiße-drauf-sein verwechseln. Wir können das trotzdem kurz klären: Scheiße-drauf-sein ist wie ein Tatort mit den Muppets, nicht das Gelbe vom Ei, geht aber vorbei. Depressionen hingegen sind wie alle drei Teile Herr der Ringe in Zeitplupe mit Jean-Claude Van Damme als Gandalf und Musik von Andrea Berg. Sie sehen den Unterschied.“

— Torsten Sträter

Symptome

geklaut vom TK Depressionscoach

Im Jahre 2011 wurde von mehreren Fachgesellschaften wie der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) eine Versorgungsleitlinie zum Thema Depression erarbeitet. Sie empfiehlt, zur Diagnose nach ICD-10 zwischen drei Haupt- und sieben Zusatzsymptomen zu unterscheiden.

Die Hauptsymptome sind:

  • Gedrückte, depressive Stimmung: Die Depression ist charakterisiert durch Stimmungseinengung oder bei einer schweren Depression (englisch major unipolar depression) das „Gefühl der Gefühllosigkeit“ bzw. das Gefühl anhaltender innerer Leere.
  • Interessensverlust und Freudlosigkeit: Verlust der Fähigkeit zu Freude oder Trauer; Verlust der affektiven Resonanz, das heißt, die Stimmung des Patienten ist durch Zuspruch nicht aufzuhellen
  • Antriebsmangel und erhöhte Ermüdbarkeit: Ein weiteres typisches Symptom ist die Antriebshemmung. Bei einer schweren depressiven Episode können Betroffene in ihrem Antrieb so stark gehemmt sein, dass sie auch einfachste Tätigkeiten wie Körperpflege, Einkaufen oder Abwaschen nicht mehr verrichten können.

Die Zusatzsymptome sind:

  • verminderte Konzentration und Aufmerksamkeit
  • vermindertes Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen (Insuffizienzgefühl)
  • Schuldgefühle und Gefühle von Minderwertigkeit
  • negative und pessimistische Zukunftsperspektiven (hoffnungslos): Charakteristisch sind übertriebene Sorge um die Zukunft, unter Umständen übertriebene Beunruhigung durch Bagatellstörungen im Bereich des eigenen Körpers (siehe Hypochondrie), das Gefühl der Hoffnungslosigkeit, der Hilflosigkeit oder tatsächliche Hilflosigkeit
  • Suizidgedanken oder -handlungen: Schwer Betroffene empfinden oft eine völlige Sinnlosigkeit ihres Lebens. Häufig führt dieser qualvolle Zustand zu latenter oder akuter Suizidalität.
  • Schlafstörungen
  • verminderter Appetit

Ferner kann zusätzlich noch ein somatisches Syndrom vorliegen:

  • Interessenverlust oder Verlust der Freude
  • mangelnde Fähigkeit, emotional auf die Umwelt zu reagieren
  • frühmorgendliches Erwachen: Der Schlaf ist gestört in Form von vorzeitigem Erwachen, mindestens zwei Stunden vor der gewohnten Zeit. Diese Schlafstörungen sind Ausdruck eines gestörten 24-Stunden-Rhythmus. Die Störung des chronobiologischen Rhythmus ist ebenfalls ein charakteristisches Symptom.
  • Morgentief: Häufig geht es dem Kranken vormittags besonders schlecht. Bei einer seltenen Krankheitsvariante verhält es sich umgekehrt: Es tritt ein sogenanntes „Abendtief“ auf, das heißt, die Symptome verstärken sich gegen Abend und das Einschlafen ist erschwert oder erst gegen Morgen möglich.
  • psychomotorische Hemmung oder Agitiertheit: Die Hemmung von Bewegung und Initiative geht häufig mit innerer Unruhe einher, die körperlich als ein Leidgefühl wahrgenommen wird und sehr quälend sein kann (stumme Exzitation, lautlose Panik).
  • deutliche Appetitlosigkeit,
  • Gewichtsabnahme, Gewichtszunahme,
  • auch kann sich das sexuelle Interesse vermindern oder erlöschen (Libidoverlust).

Depressive Erkrankungen gehen gelegentlich mit körperlichen Symptomen einher, sogenannten Vitalstörungen, Schmerzen in ganz unterschiedlichen Körperregionen, am typischsten mit einem quälenden Druckgefühl auf der Brust. Während einer depressiven Episode ist die Infektionsanfälligkeit erhöht. Beobachtet wird auch sozialer Rückzug, das Denken ist verlangsamt (Denkhemmung), sinnloses Gedankenkreisen (Grübelzwang), Störungen des Zeitempfindens. Häufig bestehen Reizbarkeit und Ängstlichkeit. Hinzukommen kann eine Überempfindlichkeit gegenüber Geräuschen.

Wie eine Übersichtsarbeit von 2019 hervorhebt, können zu den Beeinträchtigungen bei Depression zusätzlich zu affektiven Merkmalen auch kognitive Merkmale betroffen sein wie Kontrollvorgänge (Exekutivfunktionen), Lernen, Gedächtnis, Verarbeitungsgeschwindigkeit und Aufmerksamkeit. Der Fokus bei der Auseinandersetzung mit Depressionen liege jedoch in der Regel auf affektiven Merkmalen, obwohl insbesondere Aufmerksamkeitsstörungen sich sehr negativ auf das Funktionieren im Alltag auswirke. Im Gegensatz zu anderen Symptomen der Depression verbessere sich die Aufmerksamkeit bei den meisten Patienten durch aktuelle Behandlungsformen, insbesondere SSRIs, nicht. Medikamente, die hingegen auf Katecholamine abzielen (z. B. Dopamin, Noradrenalin), können einer verbesserten Aufmerksamkeitsspanne zugutekommen.

Schweregrad

Der Schweregrad wird nach ICD-10 gemäß der Anzahl der Symptome eingeteilt:
leichte Depression: zwei Hauptsymptome und zwei Zusatzsymptome
mittelschwere Depression: zwei Hauptsymptome und drei bis vier Zusatzsymptome
schwere Depression: drei Hauptsymptome und fünf oder mehr Zusatzsymptome

~ leichtere Einteilung ~
Leichte depressive Episode: Der Patient fühlt sich krank und sucht ärztliche Hilfe, kann aber trotz Leistungseinbußen seinen beruflichen und privaten Pflichten noch gerecht werden, sofern es sich um Routine handelt.
Mittelgradige depressive Episode: Berufliche oder häusliche Anforderungen können nicht mehr oder – bei Tagesschwankungen – nur noch zeitweilig bewältigt werden.
Schwere depressive Episode ohne psychotische Symptome: Der Patient bedarf ständiger Betreuung. Eine Klinik-Behandlung wird notwendig, wenn das nicht gewährleistet ist.
Schwere depressive Episode mit psychotischen Symptomen: Der Patient bedarf ständiger Betreuung. Eine Klinik-Behandlung wird notwendig, wenn das nicht gewährleistet ist. Verbunden mit Wahngedanken, z. B. absurden Schuldgefühlen, Krankheitsbefürchtungen, Verarmungswahn u. a.

Klassifikation nach ICD-10 für Affektive Störungen

  • F30 Manische Episode
    • F30.0 Hypomanie
    • F30.1 Manie ohne psychotische Symptome
    • F30.2 Manie mit psychotischen Symptomen
    • F30.8 Sonstige manische Episoden
    • F30.9 Manische Episode, nicht näher bezeichnet
  • F31 Bipolare affektive Störung
    • F31.0 Bipolare affektive Störung, gegenwärtig hypomanische Episode
    • F31.1 Bipolare affektive Störung, gegenwärtig manische Episode ohne psychotische Symptome
    • F31.2 Bipolare affektive Störung, gegenwärtig manische Episode mit psychotischen Symptomen
    • F31.3 Bipolare affektive Störung, gegenwärtig leichte oder mittelgradige depressive Episode
    • F31.4 Bipolare affektive Störung, gegenwärtig schwere depressive Episode ohne psychotische Symptome
    • F31.5 Bipolare affektive Psychose, gegenwärtig schwere depressive Episode mit psychotischen Symptomen
    • F31.6 Bipolare affektive Psychose, gegenwärtig gemischte Episode
    • F31.7 Bipolare affektive Psychose, gegenwärtig remittiert
    • F31.8 Sonstige bipolare affektive Störungen
    • F31.9 Bipolare affektive Störung, nicht näher bezeichnet
  • F32 Depressive Episode
    • F32.0 Leichte depressive Episode
    • F32.1 Mittelgradige depressive Episode
    • F32.2 Schwere depressive Episode ohne psychotische Symptome
    • F32.3 Schwere depressive Episode mit psychotischen Symptomen
    • F32.8 Sonstige depressive Episoden
    • F32.9 Depressive Episode, nicht näher bezeichnet
  • F33 Rezidivierende depressive Störung
    • F33.0 Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichte Episode
    • F33.1 Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode
    • F33.2 Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere Episode ohne psychotische Symptome
    • F33.3 Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere Episode mit psychotischen Symptomen
    • F33.4 Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig remittiert
    • F33.8 Sonstige rezidivierende depressive Störungen
    • F33.9 Rezidivierende depressive Störung, nicht näher bezeichnet
  • F34 Anhaltende affektive Störungen
    • F34.0 Zyklothymia
    • F34.1 Dysthymia
    • F34.8 Sonstige anhaltende affektive Störungen
    • F34.9 Anhaltende affektive Störung, nicht näher bezeichnet
  • F38 Andere affektive Störungen
    • F38.0 Andere einzelne affektive Störungen
    • F38.1 Andere rezidivierende affektive Störungen, Rezidivierende
  • F39 Nicht näher bezeichnete affektive Störung

  • A - Ausgeschlossene Diagnose
  • G - Gesicherte Diagnose
  • V - Verdachtsdiagnose
  • Z - (symptomloser) Zustand nach der betreffenden Diagnose

geklaut von Was ist Depression - Ein Blog von Benno Blues und Wikipedia - Originaldateien unter weiterführende Informationen


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